Am 25. August 1871 kam in Bamberg der erste Deutsche Anwaltstag zusammen. Seither hat sich die Veranstaltung als wichtigste Zusammenkunft der deutschen Anwaltschaft etabliert. Ob Zivilprozessordnung, Rechtsanwaltsordnung, Gebührenordnung oder Strafprozessordnung – die zunächst alle zwei bzw. drei Jahre stattfinden Anwaltstage (seit 1999 alljährlich) waren stets der Ort, um wichtige aktuelle Themen zu besprechen und zu verbindlichen Positionen zu gelangen. Dabei hatten alle Anwaltstage von 1871 bis 2019 eines gemein: Sie gaben Raum für den direkten persönlichen Austausch und das gesellige Zusammenkommen der Kolleginnen und Kollegen. Im Jahr 2020 war dieses erstmals nicht möglich.
Planmäßig sollte der Anwaltstag im Juni 2020 in Wiesbaden stattfinden. Doch die Coronapandemie, am 11. März 2020 durch die WHO offiziell als solche deklariert, verhinderte die Durchführung als Präsenzveranstaltung. Der DAV entschied in dieser Situation, den Anwaltstag nicht ausfallen zu lassen, sondern in virtueller Form anzubieten. In kürzester Zeit stellte das Organisationsteam ein virtuelles Programm auf die Beine. Damit betrat der DAV – wie viele weitere Institutionen in diesen Tagen – digitales Neuland. Es lagen zwar bereits Erfahrungen mit virtuellen Veranstaltungsformaten vor, aber einen gesamten Anwaltstag digital durchzuführen hatte eine andere Qualität – zumal von der Entscheidung bis zur ersten Veranstaltung nur zwei Monate blieben. Der „Virtuelle Deutsche Anwaltstag 2020“ fand schließlich über eine ganze Woche vom 15. Juni bis zum 19. Juni statt und bot eine Vielzahl an digitalen Formaten wie Webinare, Live-Streams oder Video-Streams zu verschiedensten Themenbereichen. Das Leitthema des Anwaltstags 2020 lautete „Die Kanzlei als Unternehmen“.
Hauptgeschäftsführerin Sylvia Ruge zum ersten Virtuellen Deutschen Anwaltstag: „Es war selbstverständlich, dass ein rein digitaler Anwaltstag die persönlichen und zufälligen Begegnungen nicht ersetzen kann. Hierfür werden wir so bald als möglich wieder Raum geben. Die nun neu entwickelten Formate bieten allerdings für die Teilnehmenden eine höhere Flexibilität. Sie sind einfach gut geeignet für diejenigen, die aus beruflichen oder familiären Gründen nicht vor Ort teilnehmen können. Aus diesem Grund wird es auch in Zukunft auf dem Anwaltstag zusätzliche virtuelle Komponenten geben – hierzu haben wir als Organisation sehr viel gelernt.“