Einweihung des Mahnmals „Anwälte erinnern”

Bereits 1998 erschien das Buch „Anwalt ohne Recht – Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933“ von Simone Ladwig-Winters in erster Auflage. Der Autorin war es gelungen, die Lebensdaten von rund 1.300 Anwältinnen und Anwälten jüdischer Herkunft zu ermitteln und ihr Schicksal in den Jahren der NS-Zeit nachzuzeichnen. Eine Rezension im Journal der juristischen Zeitgeschichte beschrieb das Werk als: „Eine Art Gedenkbuch für die verfolgten und ermordeten Anwälte.“ An dieses Gedenken schloss sich der DAV am 29. Januar 2007 mit der Einweihung des Mahnmals „Anwälte erinnern“ im Garten des DAV-Hauses an.

Der zentrale Bestandteil des Mahnmals ist eine Messingtafel. Auf diese waren zum Zeitpunkt der Einweihung die Namen von 547 Anwältinnen und Anwälten meist jüdischer Herkunft eingraviert, die als NS-Verfolgte den Tod gefunden hatten. Die Arbeit war bewusst so angelegt, dass Platz für die Ergänzung weiterer Personen vorhanden war. DAV-Präsident Hartmut Kilger betonte bei der Einweihung: „Dieses Mahnmal ist genauso wenig fertig, wie die Geschichtsaufarbeitung jemals abgeschlossen sein kann.“ Zugleich unterstrich Kilger, dass Anwälte in der NS-Zeit nicht nur Opfer, sondern häufig auch Täter gewesen seien. „Mit dem Mahnmal will der Deutsche Anwaltverein den Opfern ein Zeichen setzen und gleichzeitig die Diskussion und Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte anstoßen.“ Bereits 2008 konnte das Mahnmal um die Namen 33 weiterer, mittlerweile recherchierter NS-Opfer aus der Anwaltschaft ergänzt werden.

Der Entschluss zur Errichtung des Mahnmals „Anwälte erinnern“, bei dessen Einweihung unter anderem Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Hans-Jürgen Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts sowie Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz, anwesend waren, war ein wichtiger und sichtbarer Meilenstein auf dem Weg hin zu einer bewussteren, kritischeren und umfassenderen Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte der deutschen Anwaltschaft und des DAV.

Zurück zum Zeitstrahl