Maria-Otto-Preis 2017

Rechts­an­wältin Daad Mousa aus Syrien

Der Maria-Otto-Preis wird am 27. September 2017 in der Villa Elisabeth in Berlin bereits zum 6. Mal verliehen.


In einer Zeit, in der viele Teile der Welt von Armut, Krieg, Terror und Flucht geprägt sind, ist es umso wichtiger, besonders hervorstechende Biografien zu würdigen, die sich fernab jeglicher Rampenlichter für eine Stärkung der Zivilgesellschaft einsetzen. Preisträgerin des diesjährigen Maria-Otto-Preises ist Frau Rechtsanwältin Daad Mousa aus Syrien. Ihr bisheriges Lebenswerk und insbesondere ihr unermüdlicher Einsatz für mehr Gleichberechtigung von Frauen in Syrien passen hervorragend zum Statut des Anwältinnenpreises und zeigen, wie man sich auch unter schwersten Bedingungen beispielhaft für andere einsetzen kann.

Engagement

Seit nunmehr 30 Jahren bemüht sich Frau Mousa um die Gleichstellung von Frauen und Männern im syrischen Recht. Sie setzt sich vorbildlich dafür ein, dass Frauen vor häuslicher Gewalt geschützt werden und hat gemeinsam mit anderen Aktivistinnen die Gründung eines Frauenhauses und die Einrichtung einer Hotline für weibliche Gewaltopfer erreicht. Sie lebt nach wie vor in Syrien und berät beide Projekte nun juristisch. Bis zum Jahre 2012 war sie zudem Vertrauensanwältin der Deutschen Botschaft in Syrien. Sie beriet die Botschaft in Fällen, in denen deutsche Frauen gegen ihren Willen von ihren Ehemännern in Syrien festgehalten wurden.

In ihren zahlreichen Workshops und Studienveröffentlichungen versucht sie ein Bewusstsein für die Schärfung der Frauenrechte in Syrien zu schaffen und klärt betroffene Frauen über die bestehenden Rechte auf. Auch hat sie die Deutsche Botschaft in Syrien bis zu ihrer Schließung im Jahre 2012 in Fragen zum syrischen Familienrecht beraten.

Nach 2003 war Frau Mousa zudem in der Flüchtlingshilfe aktiv. Sie kümmerte sich um kriegstraumatisierte irakische Geflüchtete und unterstützte den Kampf gegen den Frauen- und Kinderhandel durch internationale Menschenhändlerbanden.

Frau Mousa nimmt regelmäßig an Konferenzen zu Frauenrechten im Ausland teil, lebt jedoch nach wie vor in Syrien. Damit zeigt sie den mutigen Entschluss, ihr Engagement fortzuführen und die Zukunft Syriens mitzugestalten.

Beratungstätigkeit (Auswahl)

Zwischen 2007 und 2014 beriet Frau Mousa unter anderem:

  • Hochkommissar der Vereinten Nationen, UNHCR Syria
  • Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, UNRWA Syria
  • Caritas Österreich
  • Intern. Organisation für Kulturbeziehungen und Bildungschancen, British Council in Syria
  • Kinderrechtsorganisation “Safe The Children” in Schweden
  • Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen, UNFPA in Syrien
  • Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Publikationen (Auswahl)

In ihren zahlreichen Publikationen behandelte sie hauptsächlich folgenden Problemfelder:

  • Stärkung der Frauenrechte in Syrien
  • Ehrenmorde
  • Gewalt gegen Frauen und Kinder
  • Rolle der Frau in der wirtschaftlichen Entwicklung Syriens
  • Sexueller Missbrauch und Ausbeutung von Kindern

Maria-Otto-Preis

Seit 2010 verleiht der Deutsche Anwaltverein jährlich den Maria-Otto-Preis an herausragende Rechtsanwältinnen, aber auch an Personen oder Organisationen, die sich in besonderem Maße um die Belange von Frauen in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft verdient gemacht haben oder eine besondere Vorbildfunktion für Anwältinnen innehaben.

Benannt ist der Preis nach Rechtsanwältin Dr. Maria Otto. Diese ist 1922 nach einer Gesetzesänderung durch das Bayerische Staatsministerium der Justiz als erste deutsche Anwältin in München zugelassen worden.