Hans Litten Grabstelle

Der Rechtsanwalt

Hans Litten wurde am 19. Juni 1903 in Halle an der Saale geboren. Sein Vater, selbst Jurist, drängte den Sohn dazu, Jura zu studieren. Hans Litten war von dem Fach zunächst wenig begeistert – seinem Tagebuch entstammt der Gedanke: „Als sich der Ochs im Paradies langweilte, erfand er die Jurisprudenz.“

Trotz seiner anfänglichen Abneigung zur Rechtswissenschaft wurde der politisch interessierte Litten ein leidenschaftlicher Rechtsanwalt und Strafverteidiger. Stellenangebote aus dem Reichsjustizministerium lehnte er ab. 1928 beim Berliner Kammergericht zugelassen, verteidigte er regelmäßig Kommunisten und politisch linke Arbeiter und verdiente sich so den Titel „Anwalt des Proletariats“. Er hatte ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsdenken und äußerte sich auch außerhalb von Gerichtssälen gegen Polizeigewalt und Justizwillkür. Litten konzentrierte sich bald auch auf Mandate, bei denen er Opfer von nationalsozialistischer Gewalt vertrat. Als offenkundiger Gegner des NS-Regimes geriet Litten schnell in dessen Fokus.

Mehr zu Herkunft und Familie:

https://www.anwaltsblatt-datenbank.de/bsab/document/jzs-AnwBl1998020018-000_75

Der Edenpalast-Prozess

Der Edenpalast-Prozess im Mai 1931, ein Strafprozess am Landgericht Berlin gegen einen SA-Trupp wegen versuchten Totschlags, Landfriedensbruch und Körperverletzung, wurde zu dem Fall, mit dem sich Litten die Nationalsozialisten – und Hitler persönlich – zum Feind machte.

Litten vertrat in dem Prozess die Opfer, Mitglieder des Arbeitervereins Wanderfalke“, die sich im November 1930 im Berliner Tanzpalast „Eden“ zu einer Versammlung getroffen hatten und dort von SA-Leuten überfallen worden waren.

Am 8. Mai 1931 rief der 27-jährige Litten Adolf Hitler in den Zeugenstand und trieb ihn verbal in die Enge. Er beabsichtigte, das mit Segen der NSDAP erschaffene Konzept sogenannter „SA-Rollkommandos“ zur gezielten Tötung politischer Gegner zu entlarven. Durch die mehrstündige, beharrliche Befragung des Hitlers gelang es Litten, Licht auf die sogenannte Legalitäts-Strategie Hitlers und die ungesetzlichen Methoden der Nazis zu werfen. Während er von Teilen der Öffentlichkeit dafür gefeiert wurde, trug ihm der künftige Diktator die Bloßstellung noch jahrelang nach.

In der Nacht des Reichstagsbrandes, in den frühen Morgenstunden des 28. Februar 1933, wurde Litten zusammen mit anderen Oppositionellen von den Nazis in „Schutzhaft“ genommen. Seine Mutter Irmgard kämpfte vergeblich um seine Freilassung. Nach jahrelangen Folterungen in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern fand man Hans Litten am 5. Februar 1938 im KZ Dachau erhängt auf.

Mehr zum Edenpalast-Prozess:

https://www.anwaltsblatt-datenbank.de/bsab/document/jzs-AnwBl2013120018-000_832

https://www.anwaltsblatt-datenbank.de/bsab/document/jzs-AnwBl1998020018-000_75

Das vom DAV neu aufgelegte Buch von Irmgard Litten „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“:

https://arsvivendi.com/Buch/Titel/9783747200698-Eine-Mutter-kaempft-gegen-Hitler

Die Erinnerung

Die Neue Friedrichstraße zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke trägt seit 1951 den Namen „Littenstraße“. Die Vereinnahmung Littens durch die DDR als Kommunisten wird dem Wirken Littens nicht gerecht. Daher war schnell klar, dass es einer erneuten Umbenennung der Littenstraße nach der Wende nicht bedurfte. Heute erinnern dort die Hausanschriften des Amtsgerichts Mitte, des Landgerichts Berlin, der Bundesrechtsanwaltskammer und natürlich des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) an den juristischen Widerstandskämpfer. Am Gerichtsgebäude ist auch eine Gedenktafel installiert. Im Rahmen der Grundsteinlegung für das DAV-Haus haben wir Hans Litten durch eine Kranzniederlegung gedacht.

Der DAV-Schülerwettbewerb 2012/2013 widmete sich dem Leben und Wirken von Hans Litten. Das Projekt der Gewinnerin Leonie Schottler, eine Bild-Collage, ist im Anwaltsblatt abgedruckt.

Im Februar 2015 wurde das Oberstufenzentrum für Recht und Wirtschaft in Berlin-Charlottenburg, das auch Rechtsanwalts- bzw. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte ausbildet, in „Hans-Litten-Schule“ umbenannt.

Hans Litten wurde auf dem Friedhof Pankow III beerdigt. Auf Initiative des DAV wird sein Grab in Absprache mit seiner Nichte Patricia Litten im Sommer 2023 an einen zentralen Ort des Friedhofs verlegt und als Ort des Gedenkens neu arrangiert. Auf Kosten des DAV wird eine Stele errichtet und der Gedenkort gärtnerisch gestaltet. Auch in der Folge wird sich der DAV um die Pflege kümmern. Überdies soll ein Antrag auf Anerkennung als Ehrengrab gestellt werden.

Sonstige Quellen

https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/anwaeltinnen-anwaelte/anwaltspraxis/kaempfen-um-jeden-preis-fuer-den-rechtsstaat

https://www.anwaltsblatt-datenbank.de/bsab/document/jzs-AnwBl2013050034-000_355

https://www.hans-litten.de/

https://www.hans-litten-schule.de/ueber-uns/hans-litten

https://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-hitler-hans-litten-1.5289321

http://www.judentum.net/geschichte/litten.htm

https://www.brak.de/die-brak/kontakt/buero-berlin/kontaktformular/hans-litten/

https://www.anwaltsgeschichte.de/persoenlichkeiten/gerichtsfotografie/hans-litten/

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Litten

https://anwaltsblatt.anwaltverein.de/de/anwaeltinnen-anwaelte/vereinsarbeit/Einweihung-Gedenkort-Hans-Litten