Berlin (DAV). Mit einer Debatte um die besondere gesellschaftspolitische und finanzielle Stellung der Familienanwälte in Deutschland und Europa endete am Wochenende die Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein. Seit 20 Jahren gibt es die Fachanwaltschaft für Familienrecht, die eine hohe Qualifikation garantiert. Prof. Dr. Kilian von der Universität Köln, Direktor des Soldan-Instituts, erläuterte auch die Situation an den Gerichten. Während die Eingangszahlen im allgemeinen Zivilrecht seit 2000 um ein Drittel zurückgegangen sind, sind die Zahlen im Familienrecht um ein Viertel gestiegen. Die Herausforderungen für die Familienanwältinnen und -anwälte nehmen zu, was sich jedoch nicht unbedingt finanziell auswirkt. Denn sie bearbeiten einen besonders hohen Anteil von Mandaten, die über die Verfahrenskostenhilfe abgerechnet werden.
Der 40. Geburtstag der ersten Eherechtsreform war ein Anlass, auch zurückzuschauen - im Gespräch mit Rechtsanwältin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, die als Richterin, Politikerin und schließlich als Rechtsanwältin das Familienrecht in den vergangenen 40 Jahren erlebt und mitgestaltet hat. Ein besonders informativer und unterhaltsamer Programmpunkt der diesjährigen Herbsttagung, der auch gerade den jüngeren Anwältinnen und Anwälten zeigte, dass es sich lohnt, sich im Familienrecht gesellschaftspolitisch zu engagieren.
Welche Rolle spielen die Großeltern im Familienrecht? Wie kommen Mandant und Anwalt ins Gespräch? In zahlreichen weiteren Veranstaltungen standen familienrechtliche Themen auf der Tagesordnung, mit denen die Anwälte sich im Alltag befassen: Ehebedingte Zuwendungen, Nutzungsrechte an der Immobilie, Erbfolge in der Patchworkfamilie, Haftungsrisiken im Zugewinn, Versorgungsausgleich. Aber die Familienanwälte stellten sich auch den Fragen, die gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen. So entscheiden sich mehr geschiedene Elternpaare, ihre Kinder im so genannten Wechselmodell zu betreuten. Wer kommt in diesen Fällen für den Unterhalt auf? Auch der technische Fortschritt bringt neue Probleme mit sich: Wie kann man sich davor schützen, mithilfe von Spy-Software durch den Ex-Ehepartner ausspioniert zu werden?
Auf den jährlichen Herbsttagungen haben die Familienanwälte und -anwälte Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur Fortbildung. Wie immer waren namhafte Richter und Richterinnen der oberen Gerichte, Wissenschaftler und renommierte Anwältinnen und Anwälte als Referenten der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht gefolgt, so dass Praxis und Wissenschaft gleichermaßen vertreten waren. Die Tagung war mit mehr als 400 Anwältinnen und Anwälte besonders gut besucht.
Weitere Informationen: www.dav-familienrecht.de
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