Marburg/Berlin (DAV). "Internationale Kindesentführung" – mit einem Symposium begann die Tagung der Familienanwälte im Deutschen Anwaltverein (DAV), die noch bis Sonnabend inMarburg stattfindet. "Wir Anwältinnen und Anwälte müssen längst über die Grenzen hinweg agieren", erklärte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht, Rechtsanwältin Eva Becker. "Vor allem wenn Kinder im Spiel sind, ist schnelles Handeln erforderlich."
Auch das Thema Abstammung gewinnt immer mehr an gesellschaftspolitischer und familienrechtlicher Bedeutung. Wo kommen wir her, wer sind unsere Eltern: die rechtlichen, die biologischen, die sozialen oder die genetischen? In Zeiten, in denen die Ehe nicht mehr zwingend auf Lebenszeit angelegt ist und nach der Scheidung neue Patchwork-Familien entstehen, werden im Familienrecht die Probleme vielfältiger. Auch die Reproduktionsmedizin wirft im Familienrecht neue Fragen auf. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zur Leihmutterschaft vom 26. Juni 2014 ist auch auf der Herbsttagung der Familienanwälte ein Anlass zu kontroverser Diskussion.
In zahlreichen weiteren Veranstaltungen stehen Nebengebiete zum Familienrecht im Fokus. Denn sie sind es, die ein Scheidungsverfahren oder die Unterhaltsprozesse so kompliziert machen. Was zum Beispiel macht der angestellte Ehegatte nach der Trennung – ist das Auseinandergehen der Ehe ein Kündigungsgrund? Was passiert mit der gemeinsamen Ehewohnung nach der Scheidung, was geschieht mit den Zuwendungen der Schwiegereltern, die in den gemeinsamen Haushalt gesteckt wurden? "Familienrechtler sind Allrounder, von ihnen werden Kenntnisse im Arbeitsrecht, im Mietrecht, im Sozialrecht oder auch im IT-Recht verlangt", so Rechtsanwältin Becker. "Das Anliegen der Arbeitsgemeinschaft ist es, ihre Mitglieder dafür fit zu machen."
Den Abschluss findet die Tagung mit der Aktuellen Stunde am Samstagvormittag: "Der ehebedingte Nachteil des Unterhaltsverpflichteten" – auch dies ist ein Dauerbrenner in den Unterhaltsverfahren. Wann überhaupt solche ehebedingten Nachteile entstehen können, wie sie zu bewerten und vor allem zu beweisen sind, unterliegt immer wieder neuer Interpretation in der Rechtsprechung.
Information: www.dav-familienrecht.de
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