Berlin (DAV). Auf der Justizministerkonferenz (JuMiKo) in der vergangenen Woche kamen die Minister:innen zu dem Schluss, dass kein grundlegender Reformbedarf bei der volljuristischen Ausbildung bestehe. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) sieht das kritisch und dringt auf eine Modernisierung. Das in zahlreichen Bundesländern eingeführte E-Examen dürfe dabei nur ein Etappenziel sein.
Spätestens seit der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung auch großflächig Einzug in den Bildungssektor gehalten. Das Jurastudium darf sich nach Ansicht des Deutschen Anwaltvereins davor nicht verschließen. „Die Digitalisierung ist längst da. Die Rechtspflege darf sich von ihr nicht abhängen lassen – und dafür müssen wir in der Ausbildung ansetzen“, erklärt Rechtsanwältin Dr. Sylvia Ruge, Hauptgeschäftsführerin des DAV. Die juristische Berufswelt habe sich bereits stark verändert. Das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA), E-Evidence und Videoverhandlungen prägen den Rechtsmarkt. „Die Juristinnen und Juristen der Zukunft werden noch digitaler arbeiten, als es jetzt bereits der Fall ist“, ist sich Ruge sicher. Darauf müsse das Studium bereits vorbereiten.
E-Examen darf nicht die Endstation sein
Das E-Examen, das zumindest im zweiten Staatsexamen zahlreiche Bundesländer bereits eingeführt haben oder in den nächsten Monaten einführen wollen, sei deshalb eine begrüßenswerte Neuerung. Die Online-Prüfung, für die sich nach Daten aus Berlin und Nordrhein-Westfalen über 95 % der Studierenden entscheiden, sei jedoch keine digitale Offenbarung: „Von einer wirklich ‚volldigitalen‘ Staatsprüfung sind wir noch weit entfernt. Zwar schreiben die Studierenden auf Laptops, haben jedoch keinen digitalen Zugriff auf Gesetze und Kommentare“, so die Rechtsanwältin. Stattdessen müsste weiterhin auf die Printausgaben zurückgegriffen werden. Auch die Korrektur erfolge schließlich analog – die Korrektoren erhielten Ausdrucke der Prüfungen.
Studierende beklagen mangelnde Bereitschaft zur Modernisierung
Auf dem Deutschen Anwaltstag in Bielefeld kritisierten Studierendenvertreter, dass insbesondere die Landesjustizprüfungsämter und Ministerien zu wenig Bereitschaft für Veränderung zeigten. Auch anlässlich der Justizministerkonferenz kam es zu Demonstrationen. Die DAV-Hauptgeschäftsführerin warnt vor Stillstand: „Wir brauchen gerade in den kommenden Jahren juristischen Nachwuchs. Dafür muss auch das Studium an Attraktivität gewinnen und an die Anforderungen der Gegenwart angepasst werden. Dazu gehören unter anderem eine volldigitale erste Staatsprüfung und Lehrinhalte rund um die Digitalisierung sowie die Vermittlung von IT-Kompetenzen.“ Der Beschluss der JuMiKo ignoriere die Sorgen und Bedürfnisse des Nachwuchses, aber auch der Berufsverbände. Hier brauche es dringend ein Umdenken in den Ministerien.
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