Berlin (DAV). Bei der morgigen Justizministerkonferenz (JuMiKo) steht auch das Betreuungsrecht auf der Tagesordnung. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) warnt vor einer Öffnung der Berufsbetreuung durch einen vereinfachten Berufseinstieg. Angesichts des steigenden Betreuungsbedarfs brauche es vielmehr eine Erhöhung der Zugangsvoraussetzung und damit eine Professionalisierung des Berufs. Die Attraktivität der Berufsbetreuung könne durch Entbürokratisierung und ein zeitgemäßes Vergütungssystem angekurbelt werden.
„Ein erleichterter Berufseinstieg in die Berufsbetreuung wird die Probleme im Betreuungsbereich nicht lösen. Erforderlich ist vielmehr eine Professionalisierung der Berufsbetreuung, um die Betreuung der oft hilflosen Betroffenen zu verbessern“, erläutert Rechtsanwalt Markus Trude, Mitglied im DAV-Vorstand sowie im Geschäftsführenden Ausschuss der DAV-Arbeitsgemeinschaft Betreuungsrecht. In der letzten Reform des Betreuungsrechts sei der notwendige Sachkundenachweis als richtiger Weg eingeführt worden. Wenn der Einstieg für Berufsbetreuerinnen und -betreuer nun vereinfacht wird, werde dieser Weg wieder verlassen – es drohe eine Verschlechterung der Versorgung der hilfebedürftigen Menschen.
Die täglichen Anforderungen an Berufsbetreuerinnen und -betreuer sind in der Praxis in den letzten Jahren deutlich gestiegen und erfordern immer mehr rechtliche, medizinische, sozialrechtliche und psychiatrische Kenntnisse sowie ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz. „Schlecht ausgebildete Berufsanfänger können diese Anforderungen schlicht nicht mehr erfüllen. Es wäre ein Rückschritt zulasten der wehrlosesten Bürgerinnen und Bürger in unserer Gesellschaft, den Zugang in die Berufsbetreuung auch für ausbildungslose oder schlecht ausgebildete Personen zu erleichtern“, mahnt Trude. Die Debatte der JuMiKo gehe daher in die falsche Richtung. Notwendig sei, dass eine abgeschlossene und einschlägige Berufsausbildung Zulassungsvoraussetzung wird.
Bürokratische und finanzielle Hemmnisse angehen
Um das Berufsbild attraktiver zu machen, regt der DAV an, Berufsbetreuerinnen und -betreuer durch Entbürokratisierung der Tätigkeit zu entlasten. Auch das veraltete Vergütungssystem muss überarbeitet und an die heutigen Erfordernisse angeglichen werden: Wenn die Vergütung wieder leistungsgerecht ist, wird dies mehr qualifizierte Menschen motivieren, sich als Berufsbetreuer oder -betreuerin zu betätigen.
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