Berlin/Freiburg (DAV). Anlässlich des Deutschen Anwaltstags begrüßt der Deutsche Anwaltverein (DAV) die Beschäftigung der Justizministerkonferenz (JuMiKo) mit der Modernisierung der juristischen Ausbildung. Während die Überlegungen zur Stressbewältigung grundsätzlich positiv zu bewerten sind, appelliert der DAV für einen Ansatz an den Ursachen, etwa beim Prüfungsstoff. Der DAV plädiert für einen stärkeren Fokus auf Methoden- und Schlüsselkompetenz.
Ist die juristische Ausbildung noch eine adäquate Vorbereitung für die anwaltliche Praxis? Der DAV sieht Optimierungsbedarf – und begrüßt, dass sich die Landesjustizminister:innen in dieser Woche damit beschäftigen. Die JuMiKo richtet einen Fokus auf das Thema mentale Gesundheit: die Steigerung der Resilienz der Studierenden und Referendar:innen und die Verminderung von psychischem Stress bzw. die Sensibilisierung dafür.
„Das ist natürlich ein wichtiges Anliegen. Allerdings sollte der Blick noch mehr von der reinen Symptombehandlung hin zur Ursachenbehandlung gehen“, regt Rechtsanwältin Dr. Sylvia Ruge, Hauptgeschäftsführerin des DAV, beim Deutschen Anwaltstag in Freiburg an.
Psychischer Stress lässt sich durch den Ansatz der JuMiKo sicher etwas verringern oder zumindest auffangen: Bessere Transparenz, was die Anforderungen und den Ablauf des Studiums und der Prüfungen betrifft, eine offenere Kommunikationskultur zwischen Universitäten und Studierenden, niedrigschwellige universitäre Beratungs- und Unterstützungsangebote – all dies setzt aber eher auf der Folgen-Seite an. „Wie können wir erreichen, dass diese enormen Belastungen erst gar nicht entstehen? Für eine Ursachenbehandlung sollte unbedingt auch der Umfang des Pflichtprüfungsstoffs in den Blick genommen werden“, so Ruge. Dieser könne reduziert und gegebenenfalls in das Studium integriert werden, etwa durch studienbegleitende Prüfungen.
„Auch die von der JuMiKo diskutierte Einführung eines ‚dritten Versuchs‘ für die Examensprüfung wäre ein sinnvoller Schritt, um den Druck auf die Studierenden zu reduzieren“, betont die Rechtsanwältin.
Kernkompetenzen statt blindes Auswendiglernen
Einen deutlich stärkeren Schwerpunkt auf die Vermittlung von Methodenkompetenz zu legen, wie bei der JuMiKo diskutiert wird, hält Ruge für einen richtigen Ansatz. „Es sollte nicht darum gehen, möglichst viel an Streitständen und Theorien auswendig zu lernen, sondern darum, Methodenlehre, Grundprinzipien, Gesetzessystematik und generell das Analysieren und Strukturieren gut zu beherrschen. Damit lässt sich am Ende jeder Sachverhalt lösen, ob in der Uni oder später im Berufsleben.“
Kernkompetenzen gilt es auch in anderen Bereichen zu erlernen. So ist das Erlernen eines reflektierten Umgangs mit KI-Tools elementar; auch das grundlegende Verständnis, wie diese Modelle funktionieren, ist wichtig, um deren Ergebnisse kritisch hinterfragen zu können.
Mit Blick auf die spätere Praxis wäre auch eine stärkere Vermittlung von Schlüsselkompetenzen sinnvoll: „Verhandlungsmanagement, Rhetorik, Mediation, Vernehmungslehre: Know-how in diesen Bereichen ist später Gold wert, egal welchen Weg man nach dem Examen einschlägt“, betont Ruge.
⇒ Alle Infos rund um den Deutschen Anwaltstag: anwaltstag.de
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